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Warum läuft beim scharfen Essen die Nase? Wenn Chili unsere Nerven reizt

Manchmal genügt ein einziger Bissen. Das Essen ist schärfer als erwartet, im Mund beginnt es zu brennen, die Stirn wird warm – und plötzlich läuft die Nase. Vielleicht tränen sogar die Augen.

Eine Erkältung innerhalb weniger Sekunden ist das natürlich nicht. Hinter dieser Reaktion steckt vielmehr ein interessantes Zusammenspiel aus Nerven, Schleimhäuten und einem Stoff, den Liebhaber scharfer Küche bestens kennen: Capsaicin.

Schärfe schmecken wir eigentlich gar nicht

Wenn wir etwas Süßes oder Salziges essen, nehmen unsere Geschmacksknospen entsprechende Geschmacksqualitäten wahr. Bei Chili funktioniert das anders. Das Gefühl von Schärfe entsteht vor allem dadurch, dass Capsaicin bestimmte Rezeptoren an Nervenendigungen aktiviert.

Diese sogenannten TRPV1-Rezeptoren reagieren normalerweise unter anderem auf starke Wärme. Capsaicin kann denselben Rezeptor aktivieren. Deshalb fühlt sich eine Chilischote „heiß“ an, obwohl ihre tatsächliche Temperatur vollkommen harmlos sein kann.

Der Körper nimmt diesen Reiz ernst. Je stärker die Schärfe, desto deutlicher können die Reaktionen ausfallen: Brennen im Mund, Wärmegefühl, Schwitzen, Tränen – und eine laufende Nase.

Warum ausgerechnet die Nase reagiert

Auch die Nasenschleimhaut verfügt über ein dichtes Netz sensibler Nerven. Scharfe Speisen können Reflexe auslösen, die zu einer verstärkten Sekretbildung führen.

Das Ergebnis kennen viele Menschen: Mitten beim Essen beginnt klares Sekret aus der Nase zu laufen.

Medizinisch wird eine durch Essen ausgelöste Form des Schnupfens als gustatorische Rhinitis bezeichnet. Scharfe und stark gewürzte Speisen gehören zu den typischen Auslösern.

Das Entscheidende dabei: Es handelt sich nicht automatisch um eine Infektion und auch nicht zwangsläufig um eine Allergie.

Der zeitliche Zusammenhang verrät viel

Dr. Gabriele Wöhnke weist darauf hin, dass bei solchen Beschwerden der Verlauf besonders aufschlussreich sein kann. Beginnt die Nase unmittelbar beim scharfen Essen zu laufen und beruhigt sie sich anschließend wieder, passt das gut zu einer solchen Reizreaktion.

Anders sieht es aus, wenn eine laufende oder verstopfte Nase dauerhaft besteht, unabhängig von Mahlzeiten auftritt oder weitere Beschwerden hinzukommen. Häufiges Niesen, ausgeprägter Juckreiz oder wiederkehrende tränende Augen können beispielsweise zu einer allergischen Ursache passen. Halsbeschwerden, Husten oder allgemeines Krankheitsgefühl können wiederum Hinweise auf einen Infekt sein.

Eine laufende Nase ist deshalb zunächst einmal ein Symptom – ihre Ursache ergibt sich erst aus dem Zusammenhang.

Warum Chili auch die Augen zum Tränen bringen kann

Dass beim scharfen Essen manchmal gleichzeitig Nase, Augen und Schweißdrüsen reagieren, erscheint zunächst kurios. Tatsächlich zeigt es, wie umfassend unser Nervensystem auf intensive Reize reagieren kann.

Der Körper versucht dabei nicht, eine Erkältung zu bekämpfen. Vielmehr laufen verschiedene Schutz- und Reflexmechanismen ab.

Das erklärt auch, warum sich die Reaktion meist relativ schnell wieder beruhigt, sobald der auslösende Reiz verschwindet.

Muss man dagegen etwas tun?

Bei einer gelegentlich laufenden Nase nach scharfem Essen normalerweise nicht. Wer weiß, dass Chili bei ihm zuverlässig diese Reaktion auslöst, kennt im Grunde bereits Ursache und Lösung: Weniger Schärfe bedeutet meist auch weniger Reaktion.

Interessanter wird es, wenn Beschwerden regelmäßig sehr stark auftreten, auch durch andere Speisen ausgelöst werden oder unabhängig vom Essen bestehen bleiben. Dann kann es sinnvoll sein, genauer hinzusehen, statt dauerhaft auf eigene Faust Nasensprays oder andere Mittel einzusetzen.

Gerade bei wiederkehrenden Nasenbeschwerden kann auch die Apotheke eine erste Anlaufstelle sein, um Symptome und mögliche Auslöser einzuordnen und zu entscheiden, wann eine ärztliche Abklärung sinnvoll ist.

Nicht jedes Symptom bedeutet Krankheit

Vielleicht steckt darin die eigentliche kleine Wochenendbotschaft.

Wir beobachten unseren Körper ständig und interpretieren seine Signale häufig sofort als Zeichen einer Erkrankung. Dabei sind viele dieser Reaktionen zunächst einmal Ausdruck ganz normaler Physiologie.

Chili ist dafür ein wunderbares Beispiel.

Sie kann den Mund „brennen“ lassen, ohne ihn tatsächlich zu erhitzen. Sie kann Tränen hervorrufen, obwohl wir nicht traurig sind. Und sie kann die Nase zum Laufen bringen, obwohl wir uns überhaupt nicht erkältet haben.

Manchmal ist die medizinische Erklärung eben überraschend einfach:

Es war die Chili.

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