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Wenn die Hände nachts einschlafen – was wirklich dahinterstecken kann

Es gehört zu den Beschwerden, über die viele Menschen zunächst nur beiläufig sprechen. Häufig wird sie am Ende eines Arztgesprächs erwähnt, manchmal fast entschuldigend.

„Ach übrigens, meine Hände schlafen nachts häufiger ein.“

Die meisten Menschen verbinden dieses Gefühl zunächst mit einer ungünstigen Schlafposition. Schließlich kennt fast jeder das unangenehme Kribbeln, wenn man längere Zeit auf einem Arm gelegen hat. Nach wenigen Sekunden verschwindet das Gefühl meist wieder und der Alltag geht weiter.

Tatsächlich steckt in vielen Fällen genau diese harmlose Erklärung dahinter. Unser Nervensystem reagiert empfindlich auf Druck. Werden Nerven oder Blutgefäße über längere Zeit belastet, kann es zu vorübergehenden Taubheitsgefühlen oder Kribbeln kommen. Sobald die Belastung nachlässt, normalisiert sich die Situation wieder.

Interessant wird es jedoch dann, wenn die Beschwerden regelmäßig auftreten.

In der Praxis erleben wir häufig Menschen, die seit Monaten oder sogar Jahren nachts aufwachen, weil einzelne Finger kribbeln oder die gesamte Hand taub geworden ist. Viele gewöhnen sich daran. Sie schütteln die Hand aus, drehen sich um und schlafen weiter. Oft entsteht dadurch der Eindruck, das Problem sei zwar lästig, aber letztlich harmlos.

Genau an dieser Stelle lohnt sich jedoch ein genauer Blick.

Denn wiederkehrende Beschwerden können auf Veränderungen hinweisen, die Aufmerksamkeit verdienen.

Eine der häufigsten Ursachen ist das sogenannte Karpaltunnelsyndrom. Dabei wird ein wichtiger Nerv im Bereich des Handgelenks eingeengt. Besonders nachts macht sich dies bemerkbar. Viele Patienten berichten von Kribbeln in Daumen, Zeige- und Mittelfinger. Manche wachen sogar regelmäßig auf und müssen ihre Hände ausschütteln, bevor die Beschwerden nachlassen.

Das Karpaltunnelsyndrom gehört zu den häufigsten Nervenerkrankungen überhaupt. Dennoch bleibt es oft lange unerkannt. Viele Menschen halten die Symptome zunächst für eine normale Begleiterscheinung des Älterwerdens oder ihrer beruflichen Belastung.

Doch nicht nur das Handgelenk kommt als Ursache infrage.

Auch die Halswirbelsäule spielt eine wichtige Rolle. Die Nerven, die unsere Arme und Hände versorgen, entspringen im Bereich der Halswirbelsäule. Veränderungen der Wirbelsäule, Verspannungen oder Verschleißerscheinungen können deshalb Beschwerden auslösen, die bis in die Finger ausstrahlen.

Besonders interessant ist dabei, dass Patienten häufig den Ort der Beschwerden mit dem Ort der Ursache verwechseln. Weil die Finger kribbeln, wird die Ursache auch dort vermutet. Tatsächlich liegt das eigentliche Problem manchmal deutlich weiter oben im Körper.

Darüber hinaus beobachten wir solche Beschwerden bei Stoffwechselerkrankungen. Diabetes mellitus kann langfristig Nerven schädigen und Empfindungsstörungen verursachen. Auch Schilddrüsenerkrankungen oder bestimmte Vitaminmängel beeinflussen die Funktion des Nervensystems.

Gerade deshalb ist die genaue Einordnung so wichtig.

Nicht jedes Kribbeln bedeutet eine Erkrankung. Nicht jede eingeschlafene Hand muss untersucht werden. Die Häufigkeit, Dauer und Intensität der Beschwerden liefern jedoch wichtige Hinweise.

In der Medizin geht es oft nicht um einzelne Symptome, sondern um Muster. Eine einmal eingeschlafene Hand ist meist bedeutungslos. Regelmäßig wiederkehrende Beschwerden erzählen dagegen häufig eine Geschichte, die genauer betrachtet werden sollte.

Die gute Nachricht lautet: Viele Ursachen lassen sich gut behandeln oder zumindest positiv beeinflussen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass Beschwerden wahrgenommen und ernst genommen werden.

Für mich als Hausarzt ist deshalb nicht entscheidend, ob ein Patient über ein schweres oder leichtes Symptom berichtet. Entscheidend ist, ob dieses Symptom auf Veränderungen hinweist, die Aufmerksamkeit verdienen.

Und genau das kann bei nächtlichem Kribbeln der Fall sein.

Denn manchmal beginnt eine wichtige Diagnose mit einem scheinbar harmlosen Gefühl in den Fingerspitzen.

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